IG Farben-Konzern

Der IG-Farben-Konzern: Kriegsindustrie und Massenmord

Der IG-Farben-Konzern war auf mehrfache Weise in die Vernichtungsmaschinerie des Nazi-Regimes verstrickt, gelenkt wurden diese Aktivitäten aus der Frankfurter Verwaltungszentrale des Unternehmens. Bei einem Rundgang durch dieses 250 m lange Gebäude und zum Norbert Wollheim-Memorial wird Ulrike Jaspers-Kühnhold, stellvertretende Vorsitzende des Arbeitskreises Zwingenberger Synagoge, über Details der Kooperation zwischen IG-Farben und Nazi-Staat informieren. Die eineinhalbstündige Führung findet am 25. Juni (Samstag), 15 Uhr statt. Treffpunkt ist der Eingang des IG-Farben-Hauses des Campus Westend der Goethe-Universität Frankfurt.

Mit den IG-Farben entsteht 1925 das größte Chemieunternehmen der Welt. Für dieses gigantische Unternehmen, zu dem u.a. Hoechst, Bayer und BASF gehören, entwirft der Architekt Hans Poelzig Ende der Zwanziger Jahre ein repräsentatives Verwaltungsgebäude in Frankfurt. Seit 2001 nutzen die Goethe-Universität und das Fritz-Bauer-Institut das Gebäude.

Einige Details zur Zusammenarbeit zwischen dem IG-Farben-Konzern und den Nationalsozialisten, die über eine Million Opfer unter Juden und politisch Andersdenkenden forderte:
- IG-Farben baut zusammen mit der SS ein eigenes KZ in der Nähe von Auschwitz auf.
- Die Marburger Behringwerke, eine Tochter der IG-Farben, liefert Fleckfieberimpfstoff an das Hygiene-Institut der Waffen-SS, der in medizinischen Experimenten – häufig mit tödlichem Ausgang – an KZ-Häftlingen in Buchenwald getestet wird.
- Die Firma Degesch (Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung), an der IG-Farben mit mehr als 40 Prozent beteiligt ist, produziert Zyklon B, das allein in den Gaskammern von Auschwitz eine Million Menschen tötet.

Ab 1933 avanciert der IG-Farben-Konzern zu einem der Hauptgeldgeber der NSDAP, die Konzernspitze wird zügig „arisiert„, viele jüdische Manager verlieren ihre einflussreiche Position. Für Hitlers Kriegsmaschinerie, die bereits mit dem Vierjahresplan von 1936 initiiert wird, gewinnt die chemische Industrie zunehmend an Bedeutung; besonders forciert wird die Erzeugung von synthetischem Kautschuk, um von Import-Rohstoffen unabhängig zu werden. Nach dem deutschen Überfall auf Polen im September 1938 verleiben sich die IG-Farben-Manager die chemische Industrie Osteuropas ein.

Im Februar 1941 entscheidet der IG-Farben-Vorstand, nahe Auschwitz eine Buna-Kautschuk- und Treibstoff-Fabrik zu bauen – daneben errichtet die IG-Farben in Kooperation mit der SS das Konzentrationslager Buna/Monowitz (Auschwitz III); zwischen 20.000 und 25.000 Menschen, die auf der Baustelle arbeiten müssen, kommen bis zur Aufgabe des KZ im Januar 1945 um. Einer der wenigen Überlebenden ist Norbert Wollheim, seinen Namen trägt das Memorial vor dem IG-Farben-Haus, in dem auch darüber informiert wird, wie lange es dauerte, bis die Überlebenden entschädigt wurden. Die wegen Kriegsverbrechen angeklagten Vorstände der IG-Farben werden in den Nürnberger Prozessen zwar zu Gefängnisstrafen verurteilt, aber bereits 1951 ungeachtet heftiger Proteste der Opferverbände vom Hohen Kommissar der alliierten Siegermächte begnadigt.
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