Kaum bekannt
Die KZ-Außenlager Bensheim-Auerbach und Heppenheim
Nur wenige wissen heute noch etwas über die beiden KZ-Außenlager, die es in Heppenheim und Hochstädten gegen Kriegsende gegeben hat. Vielleicht kennen ältere Heppenheimer noch „Paprika“ als Name des Außenlagers; dort wurde aus Bergsträßer Paprika der begehrte Pfefferersatz hergestellt. Dr. Fritz Kilthau, Verfasser einiger Publikationen zur NS-Geschichte an der Bergstraße, hat seine Recherchen aus früheren Jahren wieder aufgenommen und weitere Quellen erschlossen. Der langjährige ehemalige Vorsitzende des Arbeitskreises Zwingenberger Synagoge wird die Geschichte dieser Außenlager am 17. März (Dienstag) bei einer Veranstaltung des Arbeitskreises vorstellen. Beginn ist um 19 Uhr im Saal des Alten Amtsgerichts, Obertor 1.
Im unterirdischen Marmorbergwerk in Hochstädten, wo das KZ Außenlager Bensheim-Auerbach sich befand, waren von September 1944 bis März 1945 unter anderem Russen, Polen und Tschechen als KZ-Häftlinge eingesetzt. Im dortigen Rüstungsbetrieb des Darmstädters Dr.-Ing. Hans Heymann mussten sie unter extrem schwierigen Bedingungen arbeiten. Ihre Zahl stieg bis Februar 1945 auf 75 Personen.
Heymanns Firma produzierte Kreiselsysteme, die zur präzisen Steuerung von Flugzeugen, Torpedos und Raketen benötigt wurden. Der Ingenieur verfügte über ausgezeichnete Kontakte zum SS-Wirtschaftsverwaltungs-Hauptamt, der obersten Kontrollinstanz aller Konzentrationslager. Und Heymann hatte deshalb das Privileg, sich im KZ Buchenwald Zwangsarbeiter auswählen zu dürfen, die technisch versiert waren. Verschiedene Organisationen des NS-Regimes unterstützten seine Forschungsarbeiten mit bedeutenden Summen. Zuständig für dieses Außenlager war übrigens das KZ-Stammlager Natzweiler-Struthof im Elsass.
Dass in dem Marmorbergwerk überhaupt produziert werden konnte, dafür hatten 129 aus Athen verschleppte Griechen ab September 1944 sehr hart arbeiten müssen. Unter schrecklichen Bedingungen wurden sie gezwungen, einen großen unterirdischen Raum für die Rüstungsfabrik Heymann auszubauen. Die Zwangsarbeiter waren in einer Baracke in Auerbach untergebracht und mussten jeden Tag zu Fuß unter brutaler Bewachung nach Hochstädten und zurück laufen. Sie litten besonders unter ihrer mangelhaften Kleidung und der schlechten Ernährung. Nach Angaben der Griechen haben 13 Gefangene diese unmenschlichen Strapazen nicht überlebt.
Auf dem Gelände der heutigen Firma Beka westlich der Eisenbahnlinie befand sich das Außenlager Heppenheim, das zunächst 1942 vom KZ Dachau, später dann vom KZ Natzweiler-Struthof verwaltet wurde. Der „Deutschen Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung“, einem SS-Betrieb, ging es dort um die Verarbeitung von Gewürz- und Heilpflanzen. Angebaut wurden diese Pflanzen sowie Gemüse und Obst auf Äckern und in Gewächshäusern 500 m südlich des Lagers. Das wichtigste Erzeugnis war Gewürzpaprika, weiterverarbeitet zu Pfefferersatz. Neben anderen Produkten wurde dort auch mit der skurrilen Herstellung eines Vitamin C-Pulvers aus Gladiolen begonnen.
Die Zwangsarbeiter in diesem Lager kamen überwiegend aus Lothringen. Ihre Arbeits- und Lebensbedingungen waren weit besser als in anderen Konzentrationslagern. Mit Obst und Gemüse konnten sie die Verpflegung aufbessern und wurden für ihre „Eigenversorgung“ nicht zur Rechenschaft gezogen – und dies, obwohl sie bei kleinen Vergehen mit Rücktransport in das barbarische Hauptlager Natzweiler-Struthof rechnen mussten.
Als Ende März 1945 die Alliierten nahten, wurden beide Lager aufgelöst. Die Pläne, alle Zwangsarbeiter zu töten, wurde nicht realisiert. Stattdessen mussten die Gefangenen streng bewacht bis nach Schwäbisch Hall marschieren. Von dort wurden sie in Eisenbahnwaggons ins KZ Dachau verfrachtet. Ihr neuer Einsatzort war der zerbombte Flugplatz München-Riem, bis sie Anfang Mai befreit wurden.
Am Anschschluss an den Vortrag findet die öffentliche Mitgliederversammlung statt.
