Zur Aktualität des Romans "Das siebte Kreuz"

Wir laden herzlich ein am 21. Mai (Donnerstag) zu einer Veranstaltung zum Thema: „‘Was jetzt geschieht, geschieht uns.‘ Zur Aktualität des Romans Das siebte Kreuz (1942) von Anna Seghers“. Zu Gast ist der Vorsitzende der Anna-Seghers-Gesellschaft, Hans-Willi Ohl. Geplant ist eine Collage aus Vortrag und Zitaten aus dem Roman sowie Fragestellungen für die heutige Zeit. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr im Saal des Alten Amtsgerichts, Obertor 1.

Die Schriftstellerin, die vor der Verfolgung der Nationalsozialisten zunächst nach Frankreich und dann nach Mexiko fliehen musste, wuchs als Netty Reiling in Mainz auf. Im Roman Das siebte Kreuz, den sie bereits im Exil in Frankreich schrieb, platziert sie Szenen in Landschaften, die sie in ihrer Jugend diesseits und jenseits des Rheins geprägt hatten. In dem berühmten Werk schildert sie die Flucht von sieben Häftlingen aus dem Konzentrationslager Westhofen. Der Name verweist auf das KZ Osthofen in der Nähe von Worms, in dem bereits ab März 1933 politische Gegner, vor allem Kommunisten und Sozialdemokraten, interniert und brutal gedemütigt wurden. Zu ihnen gehörten übrigens auch aus Zwingenberg der frühere KPD-Vorsitzende Ludwig Mütz sowie Philipp Steitz, Heinrich Schuch und Paul Drach.

Seghers‘ erfolgreicher Roman, der 1942 im mexikanischen Exilverlag „El Libro Libre“ („Das Freie Buch“) in deutscher Sprache erschienen ist, fasziniert noch heute in seiner eindringlich differenzierten Darstellung der Charaktere, der Opfer wie der Täter. Ohl wird zur Reflexion über das Zitat „Was jetzt geschieht, geschieht uns“ einladen. Es stammt von dem Schäfer Ernst, der dies zu seinem Hund sagt, aber auch zu sich selbst und zu den Leserinnen und Lesern des Romans, während er auf die „brennende, johlende Stadt hinter dem Fluss“ schaute, „Tausende Hakenkreuzelchen, die sich im Wasser kringelten!“ Der Roman zeigt die Perspektiven und inneren Konflikte der Mitläufer, der überzeugten Täter, der Wankelmütigen, der ungewollt Beteiligten sowie der Helferinnen und Helfer. Das Spektrum reicht von Wegschauen bis Solidarität.

Der Darmstädter Hans-Willi Ohl, der sich seit seinem Studium intensiv mit Exilliteratur beschäftigt und bis zu seiner Pensionierung viele Jahre als Lehrer am Abendgymnasium in Darmstadt unterrichtete, war bereits 2008 zu Gast in Zwingenberg. Damals berichtete er über die familiären Bezüge, die die 1900 in Mainz unter dem Namen Netty Reiling geborene Autorin zur Bergstraße hat. Ihr Großvater David Reiling stammte aus Auerbach und besuchte noch die dortige Synagoge. Darauf wird Ohl bei der Veranstaltung am 21. Mai ebenso eingehen wie auf die Aktivitäten der Anna-Seghers-Gesellschaft aus Anlass des 125. Geburtstags der Autorin im vergangenen Jahr.